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Lockere Leine statt Leinenkampf: Warum Hunde ziehen & womit Du schneller weiterkommst

  • Autorenbild: Franka von hundemut
    Franka von hundemut
  • 11. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. März

zwei Hunde an der Leine stehen auf einem Vorsprung

Die Perspektive ändern: Leine kann Freiheit & Sicherheit bedeuten


Viele empfinden die Leine als Störfaktor – dabei kann sie auch das Gegenteil sein:

  • Sie gibt dir Sicherheit (du musst nicht permanent nach einer Gefahr scannen)

  • Sie gibt deinem Hund Freiheit, wenn du statt 1 m z. B. 3–5 m oder eine Schleppleine nutzt

  • Und sie gibt anderen Menschen/Hunden Sicherheit, weil klar ist: Der Hund ist gesichert

Dieser Artikel ist für Dich, wenn Du...

gerade denkst: „Der Spaziergang wäre schön, wenn da nicht dieses Ziehen wäre.“

Leinenführigkeit nicht als „Fuß!“ willst, sondern als entspanntes Miteinander siehst

konkrete Ideen suchst, die du sofort im Alltag testen kannst

besser verstehen willst, warum dein Hund zieht (Erregung, Bedürfnisse, Erwartung)

Warum Hunde ziehen: Erregung + Bedürfnisse statt „Ungehorsam“


Die wichtigste Information: Der Hund ist zu erregt, nicht böse. Und hinter Erregung stehen Bedürfnisse, z. B.:

  • lösen müssen

  • Bewegungsdrang (anderes Tempo als wir)

  • Umwelt erkunden (Schnüffeln ist Informationsaufnahme)

  • Vorfreude (Wiese, Spielspot, Mauselöcher)


Wenn du nur am Symptom „Leine“ schraubst, aber Bedürfnisse und Erregung ignorierst, wird es schwierig.


Vier alltagstaugliche Hebel, die sofort helfen


  1. Stationärer Spaziergang (Erwartungssicherheit)

    • Eine feste Route mit wiederkehrenden Stationen kann Erregung senken, weil der Hund weiß: „Ich komme an – nichts wird mir ständig weggenommen.“

  2. Gemeinsamer Start in den Spaziergang

    • Die ersten Minuten entscheiden oft alles. Statt „Tür auf → Vollgas“:

    • starte mit einer kleinen, ruhigen Aufgabe (z. B. Leckerli ins Gras streuen)

    • oder einem kurzen Ritual, das ihr schon kenntZiel: Erregung runter, bevor ihr „in die Welt“ lauft.

  3. Hin- und Rückweg clever nutzen

    • Für viele Hunde ist eine große „Runde“ zu viel.

    • Hinweg + gleicher Rückweg kann helfen, weil der Rückweg weniger neue Informationen hat und dein Hund dort oft ansprechbarer ist.

    • Genau dieser Rückweg ist häufig der beste Moment für lockere-Leine-Training.

  4. Passende Leinenlänge wählen, denn sehr kurze Leinen machen es vielen Hunden unnötig schwer:

    • Mini-Radius zum Erkunden

    • Spannung entsteht schneller

    • dein Hund muss sich deinem Tempo zu 100% anpassen

    • Eine längere Leine (z. B. 3 m) oder Schleppleine (am Geschirr, gutes Handling) kann euch massiv entspannen.


Eine Übung, die fast immer geht: lockere Leine verstärken


Jeder Moment lockere Leine = dein Hund macht was richtig.


So startest du:

  • achte bewusst auf Situationen, in denen die Leine sowieso locker ist

  • bestätige genau diese Momente (Futter, Markerwort, freundlich loben – passend zu deinem Hund)

  • wenn dein Hund sich selbst reguliert (Leine durch Hund kurz auf Spannung → Hund stoppt selbstständig und kommt zurück - bitte ohne dass Du stehen bleibst): genau das belohnen


Das klingt simpel, ist aber oft der größte Hebel, weil dein Hund lernt: „Lockere Leine lohnt sich.“


Dürfen Hunde an der Leine ziehen? Ja, manchmal!


Ein entlastender Gedanke, denn es gibt Situationen, in denen ein kurzer Zug verständlich ist:

Hundetrainerin im Wald mit zwei Hunden
  • Hund muss sich dringend lösen

  • sehr neue/aufregende Umgebung

  • Überraschungssituation (z. B. plötzlich Wild)


Entscheidend ist der Unterschied zwischen:

  • Dauerziehen als Standard (das wollt ihr ändern)

  • situativ verständlicher Zug, den du nicht zusätzlich eskalieren musst.


Was ich nicht empfehle: Druck, Zerren & Dauer-Richtungswechsel


Wenn Menschen gestresst sind, greifen sie oft zu permanentem Richtungswechsel, körperliches Blocken bzw. Ausbremsen des Hundes oder einem Leinenruck. Das ist als Standardstrategie meist unklug, weil:

  • Druck oft Gegendruck erzeugt (viele Hunde drücken dann eher mehr rein -> Oppositionsreflex)

  • es selten die Ursache löst (Erregung, Bedürfnis), sondern nur das Symptom bekämpft


Alternativ-Idee: Wenn du merkst, du willst gerade „zurückziehen“: Leine sanft auf Spannung halten und dich zu deinem Hund hin bewegen (statt ihn zu dir zu ziehen). Oft entsteht dadurch Orientierung, ohne dass es ein Kampf wird.

Mini-Checkliste: So findest du einen guten Trainingsweg (und Trainer:innen)


✅ Ich starte den Spaziergang so, dass Erregung sinken kann.

✅ Ich nutze Leinenlänge so, dass lockere Leine realistisch ist.

✅ Ich verstärke konsequent die Momente, in denen die Leine locker ist.

✅ Ich akzeptiere: In manchen Situationen darf mein Hund kurz ziehen. Ich mache daraus nicht mehr als es ist.


❌ Ich erwarte perfekte Leinenführigkeit in Situationen, in denen mein Hund komplett drüber ist oder die zu schwierig sind.

❌ Ich arbeite hauptsächlich mit Druck/Zerren statt mit Erregungsregulation.

❌ Ich erwarte dauerhaft mein Tempo, ohne dass Schnüffeln und Erkunden vorkommen darf.




So kannst Du weitermachen:

Wenn du bei Begegnungen festhängst: https://www.hunde-mut.de/social-walk


Wenn Leinenführigkeit bei euch gerade Dauerbaustelle ist, lohnt sich fast immer ein Blick auf Erregung, Bedürfnisse und Spaziergangsaufbau und nicht nur auf „Technik“.


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